Nr. 13, Frühjahr 2002,
"Unterwegs"

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This, plus slow song.

Er stand am Fenster und rauchte, während hinter ihm die Party ihren Höhepunkt erreichte. Ich hatte ihn anfangs nicht bemerkt, denn es waren so viele Leute in der Wohnung, dass ich von einem Gespräch zum nächsten Smalltalk und in verschiedenste Arme fiel. Ich kam mir herumgereicht vor, obwohl ich mich selbständig bewegte. Aber ich brauchte ein wenig Luft
und wenigstens die Illusion von Ruhe.
Die Überlegung mich kurz auf eine Zigarettenlänge ins Bad einzuschließen verwarf ich,
nachdem ich gesehen hatte, wie jemand kurz vor mir, genau dort, den Boden voll kotzte.
Vielen Dank!
Schlecht war mir eh schon genug. Wenn auch wieder aus Eigenverschuldung.
Also stellte ich mich neben ihn und zündete mir ebenfalls eine Zigarette an.
Er blickte mich nicht an, aber ich sah, wie er lächelte.
„Viel los, was?!" sagte er, und sah weiterhin aus dem Fenster.
Ich nickte und versuchte seinem Blick zu folgen, um zu erkennen, was er dort draußen betrachtete.
Ich konnte nichts erkennen. Allerdings konnte ich schon seit einer geraumen Zeit auch nahe Dinge nicht wirklich erkennen, hier und grundsätzlich auch. Ich fragte ihn„: Was tust du hier?
So ganz alleine? Keine Lust zu feiern?"
Er lachte leise in sich hinein. „Ich feiere auf meine Art. Warum soll ich mich sinnlos betrinken? Soll ich mit Mädchen tanzen, die sich morgen nicht mehr an meinen Namen erinnern können, geschweige denn an mein Gesicht? Ich feiere doch, ich genieße es nur anders als du."
„Ich weiß nicht, wozu man sonst auf eine Party gehen sollte. Aber vielleicht ist da jeder
anders... ", lenkte ich ein, so gut ich konnte. Er gab mir zwar nicht das Gefühl, ihn angepöbelt
zu haben, aber irgendwie meinte ich, mich rechtfertigen zu müssen.
Er warf seine Zigarette, die inzwischen heruntergeraucht war, aus dem Fenster und sagte: „Siehst du die Sterne da oben?"
Ich gab mir Mühe. Sie verschwammen vor meinen Augen.
„Klar!" sagte ich, „die
Sterne... klar seh ich die..."
„Sie sind ein bisschen so, wie eine Partygesellschaft. Manche strahlen hell und klar, jeder kann sie sehen, sie wirken nah und vertraut. Andere halten sich ein wenig zurück. Sind nur auszumachen, wenn man ein wenig genauer hinschaut. Wie kleine Diamantensplitter. Wieder andere erkennt man fast gar nicht, sie sind winzig und schwach leuchtend, und weil sie neben einem helleren Stern stehen, übersieht man sie gerne mal. Aber sie sind da. Und sie sind alle sehr weit weg, wahrscheinlich noch nicht einmal mehr da. Du weißt, dass man in die Vergangenheit schaut, wenn man sich die Sterne ansieht, oder? Manche von ihnen existieren schon längst nicht mehr. Aber das Licht braucht lange, um bei uns anzukommen. Deshalb
sieht man es trotzdem.
Sie sind in Wirklichkeit nur noch Erinnerungen.
Überbleibsel."
Ich stand mit offenem Mund neben ihm. Es sah wohl sehr unbeholfen aus, wie ich mit zwinkernden Augen versuchte, meinen Blick scharf zustellen, der vom Alkohol stark eingeschränkt war.
Jedenfalls drehte er sich zu mir und lachte herzhaft.
Ich errötete ein wenig. Vorher schloss ich schnell meinen Mund.
„Du musst ja denken ich bin ein riesiger Spinner. Wie ich hier am Fenster stehe und dummes Zeug rede." Er schmunzelte immer noch.
„Unsinn. Ich fand das sehr interessant. Nur,... na ja... ich bin wohl schon ziemlich betrunken. Verzeihung..." ich schüttelte den Kopf. Als ich mir eine weitere Zigarette anzünden wollte, gab
er mir Feuer.
„ Siehst du das dunkelhaarige Mädchen dort hinten? Die mit dem roten Pullover und der Sektflasche in der Hand? Das ist meine Freundin. Ich fahre heute. Deshalb trink ich nichts.
Sonst kommt sie nicht heile zu Hause an." Es schien ihm nichts auszumachen.
„Aber ich finde trotzdem, dass so eine Party immer ein wenig verzweifelt ist. Also, die
Menschen verhalten sich verzweifelt. Ich auch, wenn ich mitten drin und dabei bin. Alle
benehmen sich, als wenn es kein Morgen gäbe. Jede Chance wird ergriffen, um noch mal so richtig einen drauf zumachen, um so viel zu trinken, bis einem kotzübel ist."
Ich dachte an das Bad und mich und nickte wieder.
„Verzweifelt und dabei lächelnd versucht man sich ein wenig Liebe und Aufmerksamkeit zu holen. Manchmal egal bei wem. Und egal, ob es nur für den Moment ist. Hauptsache man
fühlt sich nicht alleine. Und am Tag drauf hat man selten mehr als einen dicken Schädel.
Ich stehe gerne am Rand und beobachte das alles. Dann weiß ich, wie ich bin, wenn ich mitmache. Das ist schon sehr aufschlussreich irgendwie. Man versucht mit aller Macht den Augenblick zu leben, um sich selbst nicht zu vergessen. Augenblicke sind alles, woran man
sich später noch erinnern kann. Nur sieht man augenblicklich meist nicht, daß es nichts nützt, jede Sekunde in einen Augenblick zu verwandeln, denn insgesamt hat man wieder eher eine gesamte Größe, die man letztendlich doch vergißt."
Ich stand da, und vergaß fast, weiter zu rauchen. Soviel Input war mir zuviel. Ich kam kaum
noch mit, denn so beschwippst war mein Kopf nicht in Bestform.
Ich sagte ihm das, und sah ihn bewundernd an. Er lachte wieder, gluckste her und antwortete mir, dass es nicht so schlimm wäre. Er neige dazu, wildfremde Menschen voll zulabern. So
wäre er halt. Ich solle mir da nichts draus machen.
„Und ich liebe es! Ich mag es sehr, Menschen beim Feiern zu zusehen. Denn es hat eine gewisse Art von innerer Leidenschaft. Man spürt es regelrecht. Die Musik peitscht die Leute hoch, der Alk macht sie ungehemmt. Die Luft wabert nur so vor Leben. Und vor
Vergänglichkeit. Das ist großartig!" seine Augen strahlten dabei regelrecht.
Und ich spürte es auch .
Ich lehnte mich aus dem Fenster und lies den kühlen Nachtwind durch meine Haare streifen, atmete die klare Luft ein und fühlte plötzlich eine Umarmung von hinten. Sanft und fest. Als ich mich umdrehte, verwundert, war der seltsame Typ nicht mehr da. Nur ein Zigarettenstummel lag noch am Fensterbrett. Er glühte schwach in der Dunkelheit.
Lukas gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „Da bist du ja! Ich hab mir schon Sorgen gemacht! Wollen wir los? Ich würd heut Nacht gern an dich gekuschelt einschlafen.....„
Ich erzitterte ein wenig und blickte noch mal hinauf zu den Sternen. Sah sie jetzt klar und hell.
Und erinnerte mich......

Sandra Sydow


yamila

yamila kam den berg hinab,
lief leichten fußes durchs gestein,
fragte mich wohin?, verjagte lächelnd
diese hundertschaft des kummers,
die mich gefangen hielt.

schon bald beschritt ich
weiter meinen weg.

aus dem nichts kam yamila
und ging schon bald dorthin zurück
wo die mühle san joses
gestorben steht.

ein geschenk ließ sie zurück-
ein herz, das wieder freude trägt.



Josef Hirschböck

 


Unterwegs

Mein Gesicht schaut mich weiß an
Im Fenster gegenüber
Draußen rast die Winterwelt vorüber
Mein Blick: nicht bang.

Ich kann euch sehn, ihr Frau'n
Wie ihr mir warm entgegenblickt
Aus meinen eignen Augen.
Mit offnen Armen wartet ihr -

Euch alle will ich einen
In meiner Brust
Um so in voller Lebenslust
Ganz heftig ICH zu sein.



Maximiliane Strigl, Januar 2002