Nr. 14, Winter 2002/2003,
"Erwachen"

Traumhaftes Erwachen

Ich träumte einmal. Ich hatte Albträume, und deshalb wollte ich erwachen. Ich strengte all
meine Willenskräfte an, und schließlich gelang es mir, ich erwachte. Ich schaute von meinem
Bett umher. Doch was war das? Ich erkannte den Raum nicht, in dem ich mich befand.
Deshalb stand ich auf, ging zum Fenster, zog die Vorhänge beiseite und schaute hinaus. Zu
meinem Schrecken war mir auch dieser Anblick fremd, ich hatte diesen Ort noch nie gesehen.
Hatte man mich während meines Schlafes dorthin gebracht? Doch ehe ich noch darüber
nachdenken konnte, geschah etwas Merkwürdiges: ich erwachte noch einmal. Das Zimmer,
das ich nun erblickte, war mein eigenes, zweifellos. Ich mußte mir eingestehen, daß ich nur
geträumt hatte, daß ich erwacht war. Erst jetzt war ich wirklich wach.
Woher können wir wissen, ob wir wach
sind oder nicht? Gibt es nicht immer nur verschiedene Stufen des Erwachens, des Wachseins? Andererseits gibt es da Anhaltspunkte: im Traum kann ich es mir meist nicht aussuchen, wo ich bin, was ich erlebe, ja nicht einmal was ich „denke“. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, ich werde geträumt. Am Tage, im Wachsein ist das schon anders. Da kann ich denken, was ich will, und auch tun, was ich will, sofern mir es die räumlichen und zeitlichen Umstände und meine Mitmenschen erlauben. Doch auch im Tagesbewußtsein gibt es Erwachen. Immer wieder, eigentlich jeden Tag treten neue Dinge in mein Leben ein, werde ich wacher, erweitert sich mein Bewußtsein. Ich erwache, indem ich erkenne. Es gibt gute, schöne Erkenntnisse, die mich wach machen für die hilfreichen, heilsamen Kräfte im Leben. Es gibt aber auch ein böses Erwachen, in dem mir Zusammenhänge klar werden, Offenbarungen gemacht werden, die mir das Leben zur Hölle werden lassen, die meine Tage zu Albträumen machen können. Das kann aber nur geschehen, wenn meine Mitmenschen dazu beitragen, oder anders gesagt, wenn Gott es zuläßt. Ich habe all dies erlebt und muß sagen, daß ich schon zu sehr erwacht bin, daß ich dieses gesteigerte Bewußtsein manchmal kaum aushalte, weil es zu viel für mich ist.
Vergessen - kann ich wahrscheinlich nicht. So bleibt mir nur die Hoffnung, daß ich wieder
lerne zu träumen, Träume wahr zu machen, und daß mich eines Tages, wenn ich träume,
Gott - wenn er auch nur ein kleines bißchen menschlich zu mir ist - daß mich Gott mitnehmen
wird zu sich, oder daß er mir ein sanftes Ende bereiten wird. Wenn er auch nur im geringsten
ein würdevoller, gnädiger Gott ist, der seinen Namen verdient hat.

Laurens Sohni, Juli 2002

 

Der unpraktische Arzt

Wir haben praktische Ärzte.
Was ja ganz praktisch ist.

Praktische Ärzte praktizierend in ihrer Praxis.

Praktische Ärzte.
Also keine unpraktischen
Keine theoretischen
Was ja theoretisch auch sein könnte.

Die Fragestellung die zu beantworten ist
lautet also:

Gibt es auch unpraktische Ärzte ?

Antwort: Theoretisch ja.
Aber in der Praxis ?


Gangolf Peitz

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